Kreisverkehr "Hirschkreuzung" Eislingen

Kreisverkehr "Hirschkreuzung" Eislingen © ADFC Göppingen, Thomas Gotthardt

Fahrrad-Kreisverkehre: Eislingen first, Süßen second

Gute Dinge brauchen Zeit. Gedanken zum neuen "Hirschkreisel" in Eislingen und was Verkehrskonzepte mit Rotwein gemeinsam haben

Ein kleiner Rückblick: Wir schreiben das Jahr 1980 und ich erlebe in besten Jugendjahren den ersten Frankreich-Urlaub. Welche Erkenntnisse nehme ich mit nach Hause?

Erstens: Schulfranzösisch ist fast nutzlos, wenn das Gegenüber nur den provençalischen "accent du Midi" spricht. Zweitens: Eine Flasche Rotwein für 3 Francs (50 Cent, ohne Inflationsbereinigung) schmeckt bei Sonnenuntergang am Strand von Ramatuelle grandios. Aber man sollte trotz aller Euphorie denselben Wein nicht mit nach Hause nehmen. Ohne Sonnenuntergang und Strand ist der Geschmack ein völlig anderer.

Und drittens: Überall im Land gibt es Kreisverkehre (für Autos). Warum gibt es die nicht auch bei uns zuhause?

Viele, viele Jahre habe ich mich das gefragt, bis dann ganz sporadisch die ersten Auto-Kreisverkehre auch in Deutschland entstanden sind. Und heute? Sind sie fast so allgegenwärtig wie in Frankreich.

Ab den späten 1990er-Jahren verschlägt es mich oft in die Niederlande, und wieder kreisen meine Gedanken um Kreisverkehre. Aber jetzt sind es keine banalen Rondelle nur für Autos. Sondern solche mit einem umlaufenden, baulich getrennten Radweg: Warum gibt es die nicht auch bei uns zuhause?

Viele, viele Jahre habe ich mich das gefragt. Bis mir kürzlich bei der Einweihung des Eislinger Hirschkreisels die Erleuchtung kam: Gute Dinge brauchen Zeit. Ein guter Rotwein muss reifen, und genauso ist es mit neuen Verkehrskonzepten.

Nach vielen Jahren der Planungen und der Rückschläge wurde im September 2023 endlich der erste Kreisverkehr mit umlaufendem Radweg im Kreis Göppingen eingeweiht - ein geschützter Kreisverkehr nach niederländischem Vorbild.

Schon 2016 stand der Umbau der unübersichtlichen Hirschkreuzung auf der städtischen Agenda. Aber die Realisierung scheiterte damals an einem Bürgerentscheid. Obwohl nicht nur die Stadt, sondern auch der ADFC die Kreisvariante eindeutig favorisierten.

„Vielleicht war die Zeit damals noch nicht reif“ sagte Eislingens OB Klaus Heininger bei seiner Eröffnungsrede, und so war es wohl auch.

Aber jetzt ist der Kreisel gereift: Auf den ersten Blick zwar noch ein bisschen herb, denn autofrei ist er natürlich nicht. Aber der sanfte Abgang mit gut sichtbaren und bevorrechtigten Geh- und Radwegen gibt ihm eine einzigartige Note im Kreis Göppingen.

Einzigartig wird er aber nicht sehr lange bleiben. Denn an der Süßener Tobelkreuzung kündigt sich das zweite Exemplar an, der Bau wurde vom Gemeinderat schon beschlossen. Und auch Nummer drei ist in Planung: An der Einmündung der Eislinger Weingartenstraße in die Nordverbindung nach Göppingen.

Wir sind optimistisch, dass es nicht bei diesen drei Exemplaren bleiben wird. Denn vielleicht ist die Zeit jetzt tatsächlich reif für gute Kreisverkehre.

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Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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