Licht und Schatten beim ADFC-Fahrradklima-Test 2016

 

Extrem schlechte Bewertungen für Donzdorf / Zufriedenheit in Süßen und Eislingen

 

Beim heute in Berlin vorgestellten Fahrradklima-Test des ADFC landete Donzdorf in Baden-Württemberg auf dem vorletzten Platz der fahrradfreundlichsten Städte seiner Größe (Platz 64, Kategorie Kommunen < 50.000 Einw.). Bemängelt haben Donzdorfs Radfahrerinnen und Radfahrer vor allem die mangelhafte Sicherheit beim Radfahren und eine fehlende Unterstützung durch die Stadt. Bei einer kreisweiten Rekordbeteiligung am Fahrradklimatest erreichten im Gegensatz dazu Göppingen, Geislingen, Eislingen und Süßen bemerkenswerte Platzierungen im ersten Drittel aller gewerteten Städte und Gemeinden.

Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für moderne Städte – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Donzdorfer auf dem Rad unwohl fühlen. Dieses Gefühl ist nicht unbegründet. Der Fahrradklimatest zeigt, dass vor allem die vielen Umlaufsperren auf dem Lautertalradweg die Radfahrenden verunsichern, da es dort in den letzten Jahren viele Stürze von Radlern mit z.T. erheblichen Verletzungen gab.

Das schlechte Ergebnis ist aber nicht nur den Aufregungen in Sachen Umlaufsperren geschuldet. Diese stellen vielmehr nur die "Spitze des Eisberges" dar. Ähnlich schlechte Wertungen wie für die Frage "Hindernisse auf Radwegen" (Note 5,4) – also in dem Falle die Umlaufsperren – gab es auch zu anderen Fragen. "Fahrradförderung in jüngster Zeit" oder "Werbung für das Radfahren" wurden z.B. mit 5,2 benotet. Mit 4,8 wurden die beiden Fragen zum "Sicherheitsgefühl" und zur "Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer" bewertet. Für das Vorhandensein von Abstellanlagen wurde gleichfalls ein miserables Zeugnis gegeben: 4,6. Die Radfahrerinnen und Radfahrer haben daher im Durchschnitt dem Donzdorfer Fahrradklima die Gesamtnote Mangelhaft (4,5) verliehen.

Andere Städte im Kreis Göppingen (Eislingen, Süßen und Geislingen), die eine deutlich aktivere Rolle in der Radverkehrsförderung einnehmen wurden deshalb von den Radfahrenden mit bemerkenswerten Platzierungen im 1. Drittel der bundesweiten Rangliste belohnt.

Vor allem die gute Bewertung von Eislingen (Platz 11 von 65 in BW) und Süßen (Platz 16 von 65 in BW) in ihrer Kategorie lassen aufhorchen, sind sie doch eine verdiente Belohnung der Städte für deren Bemühungen, Radfahren in der Stadt attraktiver und sicherer zu machen. In beiden Städten wurden vor allem die "Erreichbarkeit des Stadtzentrums", die "Fahrradförderung in jüngster Zeit" und die Frage "Ist Radfahren eher Spaß oder Stress" positiv bewertet.

Auch die Radfahrenden in Geislingen belohnen offenbar die Aktivitäten der Stadt bei der Förderung des Radverkehrs (Platz 20 von 65 in BW). Die Frage nach der "Fahrradförderung in jüngster Zeit" wurde durch die Geislingerinnen und Geislinger am positivsten bewertet (2,8) – gemeinsam mit der "Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung" (2,8).

Göppingen, die einzige Stadt im Landkreis der Größenklasse "50.000 bis 100.000 Einw." landete wie in den bisherigen Fahrradklimatests erneut im Mittelfeld (Platz 5 von 13 in BW). Die Stagnation in der Zufriedenheit mit ihrer Stadt ist möglicherweise ein Spiegelbild zur Umsetzung der städtischen "Radverkehrsstrategie" in Göppingen. In Göppingen wurden besonders der "Winterdienst auf Radwegen" (4,3), die "Führung an Baustellen" (4,4) und die "Falschparkerkontrolle auf Radwegen" (4,4) angeprangert. Zufrieden zeigte man sich dagegen mit den "geöffneten Einbahnstraßen in Gegenrichtung" (2,1) und der "Erreichbarkeit des Stadtzentrums" (2,5).

Interessant ist, dass in allen 5 bewerteten Städten des Landkreises Göppingen die Fragen nach der "Fahrradmitnahme im Öffentlichen Personennahverkehr" und zum Vorhandensein von "Öffentlichen Fahrrädern" schlecht bewertet wurde. Dies kann auch als Appell der Radfahrenden an das Landratsamt verstanden werden, diese Themen landkreisweit voranzubringen.

Über 120.000 Teilnehmer bundesweit
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 150.000 Euro gefördert. Über 120.000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2014. Wir fürhen die Zunahme auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück.

539 Städte haben die Mindestanzahl an Stimmen erreicht und es damit in die Wertung geschafft, gegenüber 468 in 2014. Der Test bestand aus 27 Fragen, wie "Macht das Radfahren Ihrer Stadt Spaß oder Stress?" oder "Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?". Die Umfrage wurde größtenteils online durchgeführt. Bewertet wurde nach dem Schulnoten-Prinzip mit Werten zwischen eins und sechs.

 

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Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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