
ADFC-Parkplatz-Team beim Wäschenbeurener Pfingstmarkt 2025 © Thomas Gotthardt
Mehr als nur ein Parkplatz: 12 Jahre gelebte Radkultur
"Nine million bicycles in Beijing", sang Katie Melua. Ganz so weit wie in Peking sind wir hier im Kreis Göppingen zwar noch nicht – aber immerhin 12.231 Fahrräder haben seit 2015 den Weg auf einen ADFC-Fahrradparkplatz gefunden ...
… und fühlte sich dort in der Obhut unserer Helferinnen und Helfer pudelwohl. So war es auch wieder an den vergangenen Wochenenden.
Beim Stadtfest in Süßen stellten an am Samstag und Sonntag insgesamt 385 Besucherinnen und Besucher ihr Fahrrad oder Pedelec bei uns ab, zwei Wochen später beim Donzdorfer Stadtfest waren es an zwei Tagen sogar 700 Drahtesel. Den Tagesrekord erzielte allerdings wie in den Vorjahren der Pfingstmarkt in Wäschenbeuren: Allein am Pfingstmontag vertrauten uns 613 Radfahrende ihre Fahrräder an.
Dabei fing alles ganz klein an. 2015 begannen wir in Süßen und Donzdorf mit jeweils eintägigen Testläufen. Die Skepsis bei den Stadtverwaltungen war damals groß: Würde überhaupt jemand einen bewachten Fahrradparkplatz nutzen? Entsprechend bescheiden fielen die zugewiesenen Flächen aus – und waren schon nach kurzer Zeit hoffnungslos überfüllt.
Die Botschaft war eindeutig: Das Angebot wird freudig angenommen. Wir bekamen größere und besser gelegene Standorte und wurden als selbstverständlicher Teil der Stadtfeste wahrgenommen. Bald wurden auch andere Kommunen aufmerksam und kamen auf uns zu. Seit 2018 sind wir beim Gartenmarkt in Rechberghausen dabei, seit 2023 auch beim Pfingstmarkt in Wäschenbeuren. Inzwischen erreichen uns Anfragen aus dem gesamten Landkreis – theoretisch könnten wir fast jedes Wochenende irgendwo einen Fahrradparkplatz betreiben.
Theoretisch.
Denn wie so oft im Vereinsleben fehlt es nicht an Ideen, sondern an Menschen, die sie gemeinsam umsetzen. Die Parkplatzaufsicht ist keine schwere Arbeit, macht Spaß und bietet jede Menge Abwechslung. Trotzdem gilt auch bei uns ein altes italienisches Sprichwort: „Lieber eine Hilfe als fünfzig Ratschläge.“
Und tatsächlich sagen fast alle, die einmal mitgemacht haben, am Ende das Gleiche: Es macht einfach richtig Spaß. Die vielen netten Gespräche, die gute Stimmung und die positive Resonanz machen Lust auf das nächste Mal.
Ganz nebenbei ergeben sich auch viele Gespräche mit den Menschen, die den Radverkehr vor Ort mitgestalten können – mit Stadträtinnen und Stadträten und mit den Verantwortlichen in den Rathäusern.
Genau deshalb sind unsere Fahrradparkplätze weit mehr als ein kostenloses Serviceangebot. Sie sind gelebte Verkehrspolitik. Sie zeigen, dass der ADFC nicht nur Konzepte entwickelt, Ratschläge gibt oder Verbesserungen fordert, sondern auch selbst anpackt und das gesellschaftliche Leben in unseren Kommunen aktiv mitgestaltet.
12.231 abgestellte Fahrräder sind deshalb nicht nur eine schöne Zahl. Sie stehen für tausende Menschen, die erlebt haben, dass Radfahren bequem, sicher und selbstverständlich sein kann. Wenn eine gute Infrastruktur vorhanden ist.
Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, hat dazu schon am 8. und 9. August beim Gartenmarkt in Rechberghausen Gelegenheit. Wann und wo genau? Das seht Ihr hier auf unserer Website
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