
Querung über den Marbach © Carmen Ketterl, ADFC Göppingen
Neue Marbachbrücke in Rechberghausen: Chance für sicheren Radverkehr wird vertan
Der ADFC kritisiert die Entscheidung des GR Rechberghausen, die neue Brücke über den Marbach erneut nur in einer Breite von 1,50 Metern zu bauen. Damit wird eine wichtige Gelegenheit verpasst, eine innerörtliche Verbindung zukunftsfähig auszubauen
Eine Öffnung der Brücke für Radfahrende wäre eine wichtige Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs, um die oft beklagte Verkehrsbelastung im Ort zu verringern.
Die bestehende Brücke wird seit Jahren nicht nur von Fußgängerinnen und Fußgängern genutzt, sondern auch von zahlreichen Radfahrenden. Dass dies geschieht, überrascht nicht: Die Brücke verbindet Wohngebiete und Einkaufsmöglichkeiten und ist die Anbindung vom westlichen Ortsteil an den Radweg Faurnau-Schwäbisch Gmünd und an die Radverbindung nach Göppingen. Die tatsächliche Nutzung zeigt deutlich, dass hier ein Bedarf für den Radverkehr besteht. Nach der Straßenverkehrs-Ordnung ist die Brücke jedoch als reine Fußgängerbrücke ausgewiesen. Radfahren ist dort nicht zulässig.
Eine drei Meter breite Brücke hätte erhebliche Vorteile gebracht:
- eine sichere und legale gemeinsame Nutzung durch Fuß- und Radverkehr,
- mehr Platz für Kinderwagen, Rollstühle, Lastenräder und Menschen mit Mobilitätshilfen,
- bessere Verkehrssicherheit durch weniger Konflikte auf engem Raum,
- eine Infrastruktur, die den tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten entspricht,
- eine Investition mit langfristigem Nutzen, die spätere teure Nachbesserungen vermeidet.
Die Mehrkosten für eine dauerhaft zukunftsfähige Lösung betragen lediglich rund 76.000 Euro. Zum Vergleich: Die Sanierung der Friedhofswege im 2. Bauabschnitt kosten laut Haushaltsrede der Unabhängigen Bürger (UB) 385.000 Euro. Gleichzeitig bekommt Rechberghausen aus dem Sondervermögen des Bundes über 3,5 Mio. Euro, die für Infrastrukturmaßnahmen ausgegeben werden sollen.
Gerade weil die bestehende Brücke ohnehin vollständig ersetzt wird, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen, sie an die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte anzupassen. Infrastruktur wird für viele Jahrzehnte gebaut. Wer heute nur den Mindeststandard errichtet, verbaut sich die Chance auf eine moderne und sichere Mobilität.
Der ADFC appelliert deshalb an Gemeinderat und Verwaltung, die Planungen noch einmal zu überprüfen. Für die Entscheidung sollten nicht allein die vergleichsweise geringen Mehrkosten den Ausschlag geben. Gute Radverkehrsinfrastruktur ist kein Luxus, sondern Teil einer sicheren, klimafreundlichen und alltagstauglichen Mobilität. Die Menschen in Rechberghausen nutzen diese Verbindung bereits heute mit dem Fahrrad. Die neue Brücke sollte dieser Realität Rechnung tragen – statt sie weiterhin zu ignorieren.